Ich liebe KI. Wirklich.
Sie spart mir Zeit, gibt mir Impulse, hilft mir beim Schreiben, beim Strukturieren, beim Denken. Ich nutze sie täglich und ich würde sie nicht mehr missen wollen.
Aber genau deshalb sage ich dir jetzt das hier:
Die Art, wie viele Menschen KI nutzen, sei es im Business oder im Alltag, macht mir Sorgen.
Warum? Weil das Nachdenken dabei immer öfter auf der Strecke bleibt.
Frage rein. Antwort raus. Fertig?
Es hat sich ein Muster eingeschlichen, das ich immer häufiger beobachte: Eine Frage wird gestellt. Zack, ist die Antwort auch schon da und wird einfach übernommen. Ohne zu prüfen, ob das überhaupt stimmt oder zur Situation passt.
Das passiert nicht nur im Business, sondern genauso im Alltag. Ob formelle Schreiben, Behördenbriefe oder steuerliche Fragen… die Antwort kommt und geht oft genauso ungefiltert raus wie sie ausgespuckt wurde.
KI kann sich irren. Und das sehr überzeugend.
Lass mich dir dazu kurz von einem Erlebnis erzählen, das mir selbst passiert ist.
Ich hatte meine Umsatzsteuervoranmeldung eingereicht und meine Buchhaltungs-App Accountable hat daraufhin automatisch die Umsatzsteuervorauszahlung als Ausgabe verbucht. Das hat mich irritiert. Die Umsatzsteuer ist kein echter Gewinn, sondern ein durchlaufender Posten, den man für das Finanzamt einsammelt und wieder abführt. Warum also taucht sie als Ausgabe auf? Ich hab einen Blick in meine Einnahmenüberschussrechnung geworfen, bin aber nicht wirklich schlau draus geworden.
Also hab ich den Sachverhalt ChatGPT geschildert.
Die Antwort kam prompt und sie war eindeutig: Das sei falsch. Meine App buche das nicht korrekt. ChatGPT bestand vehement darauf.
Ich war skeptisch. Also hab ich recherchiert, einige Artikel dazu gelesen und schlussendlich bin ich auf das Bruttoprinzip gestoßen. Das heißt, bei der Einnahmenüberschussrechnung werden Einnahmen und Ausgaben brutto erfasst, die Umsatzsteuer also als Einnahme, die Umsatzsteuervorauszahlung als Ausgabe. Am Ende bleibt der Nettobetrag übrig. Alles korrekt, alles logisch.
Diese Information hab ich dann zurück in den ChatGPT-Chat gegeben und jetzt halte dich fest…
Seine Antwort? Nein, das stimmt nicht. Es sei reiner Zufall, dass am Ende der gleiche Betrag rauskommt und hat sich nicht eines Besseren belehren lassen.
Ich hab daraufhin den Support von Accountable* kontaktiert und die haben mir bestätigt: Die Buchung war absolut korrekt. ChatGPT lag falsch und ich bin froh, dass ich nicht einfach blind vertraut habe.
Stell dir vor, ich hätte dem Support geschrieben: „Aber ChatGPT hat gesagt…“ Vielleicht kennst du das aus deinem Umfeld… dieses „Aber ChatGPT hat gesagt!“ als wäre es die absolute Wahrheit.
Genau das ist der Punkt. KI kann eine wertvolle Unterstützung sein, aber sie ersetzt nicht das eigene Nachdenken.
Content erstellen mit KI. Ja, aber bitte mit Kopf.
Viele nutzen KI heute für ihre Content-Erstellung. Blogbeiträge, Social-Media-Posts, Newsletter, alles kein Problem.
Das Ergebnis? Oft Texte, die generisch klingen, austauschbar sind und die man schon 10x woanders gelesen hat. Die Texte haben keine eigene Handschrift, die eigene Haltung fehlt und vor allem der Mensch dahinter.
Wer selbst mit KI arbeitet, erkennt KI-generierten Content meist auf den ersten Blick und Google übrigens auch.
Das bedeutet nicht, dass du KI nicht für Texte nutzen solltest. Im Gegenteil, sie kann ein fantastischer Sparringspartner sein. Auch wenn die Contenterstellung zeitaufwendig und anstrengend sein kann, das weiß ich selbst nur zu gut, ist das keine Entschuldigung dafür, Texte die dir in Sekunden geliefert wurden, ungelesen rauszuschicken.
Mach es zu deinem Text. Füg deine Erfahrungen ein. Deine Meinung. Deine Sprache.
Bitte, bitte, bitte: Lies den Text auch wirklich durch, bevor du ihn veröffentlichst. Ich sehe immer wieder Captions oder Newsletter, in denen der ChatGPT-Kommentar noch hängengeblieben ist.
Du weißt schon, dieses „Hier ist dein fertiger Text! Wenn du willst, erstelle ich dir noch eine knackigere Version für Instagram?“ Das sagt dann leider mehr über den Umgang mit dem Tool und dem Menschen dahinter aus, als über den Inhalt selbst.
KI-generierte Texte zu überprüfen und anzupassen ist kein Aufwand, es ist der eigentliche Job.
Website und Code: Erst das WOW, dann das Aber.
Ich muss ehrlich sein: Es ist wirklich beeindruckend, was KI heute kann.
Du beschreibst, wie deine Website aussehen soll. Schreibst ein paar Sätze, schickst vielleicht noch paar Screenshots durch, die du dir gespeichert hast und schon spuckt die KI dir eine fertige Seite aus. Komplettes Layout. Fertiger HTML-Code. CSS inklusive. Manchmal sogar JavaScript. Du musst nur noch kopieren und einfügen.
Das Gefühl dabei? Magisch. Wie eine Abkürzung, die du dir nie zu träumen gewagt hättest.
Und genau da fängt das Problem an.
Denn was dabei fast immer übersehen wird: Eine Website ist kein isoliertes Dokument. Sie ist ein System. Mit WordPress oder einem anderen CMS (Content-Management-System), einem Theme, einem Builder, bestehenden Plugins und einer Struktur. KI weiß davon nichts. Sie liefert dir eine Lösung, aber nicht deine Lösung.
Damit das greifbarer wird: Stell dir vor, du bekommst eine Einbauküche geliefert, die perfekt aussieht, aber sie wurde für eine andere Wohnung geplant. Andere Maße, andere Anschlüsse, andere Wände. Schön ist sie trotzdem. Einbauen kannst du sie trotzdem nicht einfach so.
Drei Dinge, die dabei besonders oft schiefgehen:
1. Das Google Fonts Problem
KI bindet Schriftarten fast immer über Google Fonts ein, also extern. Die Schrift wird beim Seitenaufruf direkt von Google-Servern geladen. Was viele nicht wissen: Dabei werden Nutzerdaten an Google übertragen, was datenschutzrechtlich ein echtes Problem ist. Die Abmahnwellen der letzten Jahre sprechen für sich.
Die Lösung ist simpel: Schriftarten lokal einbinden. Aber dafür musst du wissen, dass das Problem überhaupt existiert und die KI entsprechend anweisen.
2. CSS-Chaos im Codeblock
KI liefert gerne einen riesigen <style>-Block direkt im HTML mit. Alles kompakt in einem Paket, praktisch auf den ersten Blick. In der Praxis bläht das den Code auf, vermischt Struktur und Design und bremst die Ladezeit deiner Website aus. Und wenn derselbe Block dann noch auf mehreren Seiten landet… davon will ich erst gar nicht anfangen.
3. JavaScript-Konflikte mit deinem System
Manchmal liefert KI auch gleich passende Skripte mit. Ungeprüft eingefügt können diese mit deinem Theme, deinem Builder oder anderen Plugins in Konflikt geraten. Fehler im Frontend, seltsames Verhalten im Backend und du weißt nicht warum.
Konkret kann das bedeuten: Buttons die plötzlich nicht mehr funktionieren, ein Menü das sich komisch verhält oder Inhalte die nicht mehr so angezeigt werden wie sie sollen. Und die Fehlersuche? Ein Alptraum, wenn man nicht weiß, was man da eigentlich eingefügt hat.
Das Grundproblem: KI erstellt isolierte Lösungen. Deine Website ist aber ein System und wer das ignoriert, rätselt später warum nichts funktioniert.
KI richtig nutzen, so geht’s wirklich.
KI-Fehler zu vermeiden bedeutet nicht, KI zu meiden. Es bedeutet, sie bewusst einzusetzen.
Sinnvoll:
- Als Inspiration und Ideengeber
- Als visuelle Vorlage oder strukturelle Orientierung
- Als erste Rohfassung, die du dann formst
Nicht sinnvoll:
- Ergebnisse 1:1 übernehmen
- Code ungeprüft einfügen
- Ohne Verständnis einsetzen, was da eigentlich passiert
Meine konkrete Empfehlung für Websites:
Schau dir das Ergebnis an, das die KI dir liefert. Versteh, was dahintersteckt und bau es dann im eigenen System nach, mit deinen Regeln, deiner Struktur, deinem Verständnis.
Du bist dadurch übrigens trotzdem schneller. Du hast eine Vorlage, an der du dich orientieren kannst, fängst somit nicht bei null an und du behältst die Kontrolle.
Der Unterschied, der alles ausmacht.
KI kann dir vieles abnehmen. Das Recherchieren, das erste Formulieren, das Strukturieren, das Coden.
Was sie dir nicht abnehmen kann und auch nicht sollte, ist das Denken.
Du kennst dein Business. Deine Zielgruppe. Dein System. Deine Verantwortung. Das kann keine KI für dich wissen.
KI ist ein Werkzeug. Eines der mächtigsten, das wir je hatten. Aber ein Werkzeug bleibt ein Werkzeug und es funktioniert nur so gut wie die Person dahinter. Und die bist du.
Fazit: Bewusst statt blind.
Ich bin nicht gegen KI. Ich bin für einen bewussten Umgang damit.
Nutze sie, freu dich über die Zeit, die sie dir spart und lass dich von ihr inspirieren. Aber hör nicht auf zu denken. Prüf, was sie dir liefert. Frag dich, ob es wirklich passt und bleib die Person, die Entscheidungen trifft, nicht die KI.
KI nimmt dir Arbeit ab. Aber nicht die Verantwortung.
Weißt du, ob Google Fonts auf deiner Website geladen werden?
Die meisten wissen es nicht. Dabei kann es rechtlich und technisch richtig teuer werden.
Ich habe eine kurze Anleitung zusammengestellt, mit der du in wenigen Minuten selbst prüfen kannst, ob deine Website Google Fonts extern lädt und was du dann dagegen tun kannst.
*Affiliate-Link, ich empfehle Accountable, weil ich die App selbst nutze und absolut überzeugt bin.





Gerade in den ersten Zügen ist ChatGPT echt magisch, weil es so viel Zeit spart. Aber ja, mit einem geübten Auge schmunzelt man schnell über Captions, Newsletter und Co., wenn ganz offensichtlich der Text 1:1 übernommen wurde.
Und die KI als zuverlässige Quelle zu nutzen, ist immer gefährlich. Auch in Schule und Studium wird das immer mehr und das eigene Denken dadurch immer weniger.. eine suboptimale Entwicklung.
Ein ganz wertvoller Artikel und ich bin froh, dass du für mich die Website übernommen hast.. hätte mich nicht mal mit KI getraut das selbst zu basteln 😅
Ich weiss genau, wovon du sprichst und ich bin dankbar, dass du diesen Artikel geschrieben hast. So schön und wertvoll zugleich.
Ja, man kann mit KI in kürzester Zeit eine Website umbauen oder neu erstellen. Ich habe das gerade selbst gemacht. Und genau deshalb weiss ich: Was ich dabei gebaut hätte ohne dich im Hintergrund wäre technisch online gewesen, aber unsichtbar, chaotisch strukturiert und an vielen Stellen nicht rechtssicher.
Die KI baut, was ich ihr sage. Du hast dafür gesorgt, dass es korrekt ist und mit dem Blick von Aussen.
Das ist der Unterschied zwischen einer Website die einfach existiert, und einer die funktioniert.
Danke Jenny, dafür dass du als Mensch dabei warst, wo die Maschine an ihre Grenzen stösst.